Liebe Fiona (#7)

Liebe Fiona!

Heute fällt es mir nicht einfach, dir zu schrieben. Und doch ertappe ich mich bei dem Gedanken, dies eigentlich mehr für mich selbst zu tun, als für dich. Diese Briefe an dich haben mir immer geholfen, meine eigenen Gedanken zu sortieren. Und ganz ehrlich, ein wenig Gedankensortierung kann ich momentan gebrauchen.

Gestern ist deine Großmutter Doris gestorben (man kann hier viel um den heißen Brei herumreden, aber mir erschien die direkte Formulierung doch am zielführendsten). Du wirst dich nicht an sie erinnern können, wenn du alt genug bist, dies zu lesen. Alles was dir bleibt werden die Dinge sein, die deine Mutter und ich dir erzählen werden.

Oma Doris hatte sich gewünscht, noch so viele Dinge mit dir zu machen. Das wird nun nichts mehr. Du sollst aber wissen, dass sie dich sehr, sehr geliebt hat…

Ich sollte dir an dieser Stelle vermutlich noch mehr von ihr erzählen. Ich stelle aber fest, dass ich das jetzt gerade nicht zustande bringe. Die Trauer ist noch zu frisch dafür.

Ich könnte dir an dieser Stelle auch Geschichten erzählen, die sich Menschen seit Jahrtausenden erzählen. Über das Leben nach dem Tod, den Himmel, und solche Dinge. Aber an solche Dinge glaube ich nicht. Viel mehr denke ich, dass das Leben gerade deshalb so kostbar, und der Abschied davon deshalb so bitter, ist, weil es alles ist, was wir haben. Der einzige Ort an dem wir weiterleben sind die Gedanken und Erinnerungen der Menschen, die uns in unserem Leben begegnet sind. Für deine Oma Doris ist dies jetzt auch die Aufgabe von deiner Mutter und mir. 

Schließen möchte ich heute mit Worten des unvergessenen Car Sagan, der einmal geschrieben hat:

„I would love to believe that when I die I will live again, that some thinking, feeling, remembering part of me will continue. But much as I want to believe that, and despite the ancient and worldwide cultural traditions that assert an afterlife, I know of nothing to suggest that it is more than wishful thinking.

The world is so exquisite with so much love and moral depth, that there is no reason to deceive ourselves with pretty stories for which there’s little good evidence. Far better it seems to me, in our vulnerability, is to look death in the eye and to be grateful every day for the brief but magnificent opportunity that life provides.“

Dein Papa

Kategorien:Texts

Tagged as: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s