Es war nett, solange es dauerte (Tschüss, SPD).

Liebe Freundinnen und Freunde.

Ich habe heute der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands meinen Austritt erklärt (ich weiß, einige seufzen jetzt vor Erleichterung…). Ich möchte mich hier auch gar nicht so lange über die Gründe auslassen, wer mit mir in den letzten Jahren gesprochen hat, der hat es eh immer wieder zu hören bekommen. Ich kann aber etwas dazu sagen, was es nicht war.

Mit einem Parteivorsitzenden wie Sigmar Gabriel, an dem ich viel zu kritisieren habe, kann ich leben. Michael Müller und ich teilen infrastrukturpolitisch sicherlich mehr als er mit der Gesamtheit der Partei. Mit dem Frust über völlig danebene Entscheidungen der Parteispitze habe ich ebenso gelernt umzugehen wie mit dem teils erratischen Kurs der Partei an sich. Und meine Sympathie für die Grundwerte der Sozialdemokratie habe ich auch nicht verloren.

Aber, und das ist mir wichtig, ich möchte meine Zeit nicht mehr daran verschwenden. Ich habe so viele andere Dinge im Leben, die mir wichtig sind, und die mir einfach mehr Spaß machen. Ich habe auf meinen Reisen in den letzten Jahren, beim Treffen mit Menschen die mir wichtig sind, gemerkt, dass es inzwischen andere Dinge sind, an denen mein Herz hängt. Und ich habe auch gemerkt, dass es mir immer schwerer gefallen ist, mich für die aktive Parteiarbeit zu motivieren.

Für mich ist Politik immer mehr gewesen als nur Debatte. Eine Mitgliedschaft, nur um auf der Mitgliederliste zu stehen ist nicht mein Ding. Zumal bei einer Partei, deren Schnittmenge mit meinen eigenen Werten dann doch immer kleiner geworden ist. Oh, nicht nur die SPD hat sich geändert. Ich habe mich auch geändert. Wir sind ein großes Stück Weg gemeinsam gegangen, die SPD und ich. Sie in eine, ich in eine andere Richtung.

So then, that’s it. Für mich haben Freundschaften übrigens nichts mit dem Parteibuch zu tun. Wenn jetzt also der eine oder die andere meint, mich nicht mehr zu kennen, dann beruht das vermutlich auf Gegenseitigkeit. Alle anderen werden schon wissen: ich bin kein anderer Mensch geworden, ich bin nur aus der Partei ausgetreten.

Im “Bundeslied” heißt es:

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Es ist genug. Tschüss, SPD. Mach’s gut. Es war nett, solange es dauerte.

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